Wie hoch sind die Anwaltskosten bei einer Scheidung? Wer trägt die Scheidungskosten?

Grundsätzlich entstehen im Rahmen einer Scheidung zwei verschiedene Arten von Kosten. Zum einen die Gebühren für den oder die Rechtsanwälte und auf der anderen Seite die Kosten für das Gericht. Gerichtskosten teilen sich hier noch in Gerichtsgebühren und Gerichtsauslagen (zum Beispiel für die Akteneinsicht für den Rechtsanwalt in die Gerichtsakte). Die Gebühren des Rechtsanwalts trägt der jeweilige Mandant selbst. Hingegen werden die Gerichtskosten nach § 132 FamFG hälftig geteilt.

Berechnung des Verfahrenswerts für die Kosten der Scheidung

Wie hoch die Anwaltskosten sind, hängt vom Gegenstandswert ab, der dem Verfahrenswert entspricht. Die tatsächlich anfallenden Kosten einer Scheidung sind anhand des Verfahrenswertes individuell zu berechnen. Hierbei finden folgende Parameter bei der Berechnung des Verfahrenswertes einer Scheidung Beachtung:

  • Nettoeinkommen beider Partner
  • Anzahl gemeinsamer Kinder und damit verbundene Kindschaftssachen wie Sorgerecht und Umgangsrecht
  • Soll ein Versorgungsausgleich durchgeführt werden?
  • Über welches Vermögen verfügen die Ehepartner?
  • Bestehen möglicherweise Schulden bzw. Kredite?

Die Gerichtskosten sind in Form eines Vorschusses zu zahlen. Die Rechtsanwaltskosten werden je nach Kanzlei zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingefordert. Sofern eine Rechtsschutzversicherung besteht, werden die Kosten (bzw. einen Teil der Kosten) für eine Scheidung unter Umständen übernommen. Dies ist bei Bestehen einer entsprechenden Versicherung mit dieser abzuklären. Weiterhin ist zu beachten: Je übereinstimmender die beiden Parteien gemeinsame Lösungen finden, desto geringer kann man die Kosten einer Scheidung halten.

Entscheidet sich das Ehepaar für eine Scheidungsfolgenvereinbarung, so entstehen neben den beiden oben genannten Kosten zusätzlich Notargebühren.

Verfahrenskostenhilfe

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, staatliche Verfahrenskostenhilfe (auch Prozesskostenhilfe, PKH genannt) zu erhalten. Diese ist von den finanziell bedürftigen Personen zu beantragen. Diese Bedürftigkeit ist nachzuweisen. Diese liegt vor, wenn er nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht oder nur zum Teil dazu in der Lage ist, die Kosten für die Scheidung aufzubringen. Sobald die Voraussetzungen vorliegen, sind je nach Fall die Kosten für die Scheidung vollständig durch den Staat zu übernehmen. Andernfalls wird die Möglichkeit eingeräumt, diese mittels Raten zu zahlen.

Zusätzlich muss, um Verfahrenskostenhilfe zu erhalten, das Trennungsjahr abgelaufen sein.

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